Mercedes-Benz OM603

Mercedes OM603 Dieselmotor: Varianten, Technik und Schwachstellen

Der Mercedes-Benz OM603 ist eine Familie von Reihensechszylinder-Dieselmotoren, die unter anderem in der W124 E-Klasse, der S-Klasse der Baureihen W126 und W140 sowie in ausgewählten G-Klasse-Modellen eingesetzt wurde. Kennzeichnend sind die indirekte Einspritzung mit Vorkammern, eine obenliegende Nockenwelle, ein Grauguss-Motorblock und ein Aluminium-Zylinderkopf. Bei Pkw-Ausführungen gab es 3,0 und 3,5 Liter Hubraum, jeweils mit unterschiedlicher Aufladung.

Für die Beurteilung der OM603-Zuverlässigkeit ist diese Unterscheidung entscheidend. Beim 3,0-Liter-Turbodiesel sind Änderungen an der Zylinderkopfkonstruktion dokumentiert. Der spätere 3,5-Liter-OM603.970 und OM603.971 erhielt dagegen wesentlich veränderte innere Bauteile und steht im Mittelpunkt gesonderter Berichte über Ölverbrauch und Pleuelschäden. Mercedes-Benz veröffentlichte außerdem Serviceunterlagen zu Steuerkettenlängung, Motorblock-Instandsetzung, Abdichtung der Zylinderkopfdichtung und Abgasreinigung.

Die bloße Angabe 603 reicht deshalb weder für die Auswahl von Ersatzteilen noch für technische Sollwerte aus. Entscheidend sind der vollständige Motorcode, das Fahrzeugmodell, der Markt und der Produktionsstand.

Motorprofil

Mercedes-Benz OM603

Motorfamilie
OM603
Hubraum
2.996 / 3.449 cm³
Bauart
Reihensechszylinder-Diesel
Aufladung
Saugmotor / Turbomotor
Kraftstoffzufuhr
Indirekte Einspritzung
Wichtige Baureihen
W124, W126, W140

OM603: Technische Daten und Motorvarianten

Unter der Bezeichnung OM603 entstanden mehrere mechanisch unterschiedliche Ausführungen. Der 3,0-Liter-Motor hat 87,0 mm Bohrung und 84,0 mm Hub bei 2.996 cm³. Beim 3,5-Liter-Motor wurden Bohrung und Hub auf 89,0 beziehungsweise 92,4 mm erhöht; der Hubraum beträgt 3.449 cm³.

Merkmal OM603 3.0 OM603.970 3.5
Hersteller Mercedes-Benz Mercedes-Benz
Bauart Reihensechszylinder Reihensechszylinder
Hubraum 2.996 cm³ 3.449 cm³
Bohrung 87,0 mm 89,0 mm
Hub 84,0 mm 92,4 mm
Verdichtungsverhältnis 22,0:1 22,0:1
Motorblock Grauguss Grauguss
Zylinderkopf Aluminiumlegierung Aluminiumlegierung
Ventiltrieb SOHC, 12 Ventile SOHC, 12 Ventile
Steuertrieb Zweireihige Rollenkette Zweireihige Rollenkette
Einspritzanlage Mechanische Reiheneinspritzpumpe Mechanische Reiheneinspritzung mit ergänzender EDS-Steuerung
Brennverfahren Indirekte Vorkammereinspritzung Indirekte Vorkammereinspritzung
Kurbelwellen-Hauptlager Sieben Sieben
Zündfolge 1-5-3-6-2-4 1-5-3-6-2-4

Die Angaben zur 3,5-Liter-Ausführung beziehen sich auf den OM603.970 im Mercedes-Benz-Dokument Introduction into Service vom Januar 1990. Dort werden für den W126 höchstens 4.250 min⁻¹ genannt. Dieser Wert gilt nicht automatisch für andere OM603-Versionen.

3,0-Liter-Saugdiesel

Der OM603.912 ist eine wichtige Saugdieselvariante. Frühe europäische W124 300 D und 300 TD erreichten 80 kW (109 PS) bei 4.600 min⁻¹ und 185 Nm bei 2.800 min⁻¹.

Die historischen Mercedes-Benz-Daten nennen ab Februar 1989 bei bestimmten überarbeiteten Modellen 83 kW (113 PS) und 191 Nm. Für den überarbeiteten S124 300 TD ist außerdem eine abweichende Leistung mit optionalem Oxidationskatalysator angegeben.

Europäische OM603.912-Ausführung Leistung Drehmoment
Frühe 300 D / 300 TD 80 kW / 109 PS 185 Nm
Überarbeitete Ausführung ab Februar 1989 83 kW / 113 PS 191 Nm
300 TD nach Modellpflege mit optionalem Oxidationskatalysator 81 kW / 110 PS 191 Nm

Beim überarbeiteten 300 TD ist der optionale Oxidationskatalysator ab Oktober 1990 dokumentiert. Das erklärt die 81-kW-Angabe bei bestimmten OM603.912-Fahrzeugen; es handelt sich nicht um eine allgemeine Leistungsänderung für die gesamte Motorfamilie.

Der Saugdiesel unterscheidet sich vom OM603.96x durch den fehlenden Turbolader. Vorkammerverbrennung, mechanische Einspritzung und grundlegende Ventiltriebkonstruktion sind dagegen eng verwandt.

3,0-Liter-Turbodiesel

Der OM603.960 kam im W124 300 D Turbo und 300 TD Turbo zum Einsatz. Die historischen Werksangaben unterscheiden folgende europäische Leistungsstände:

Merkmal Früher 124.133 Ab September 1988
Leistung 105 kW / 143 PS 108 kW / 147 PS
Drehzahl bei Höchstleistung 4.600 min⁻¹ 4.600 min⁻¹
Drehmoment 267 Nm 273 Nm
Drehzahl bei maximalem Drehmoment 2.400 min⁻¹ 2.400 min⁻¹

Im nordamerikanischen W126 300 SDL arbeitete der verwandte OM603.961. Seine Abstimmung, Abgasreinigung und Werksleistung dürfen nicht aus den europäischen W124-Werten abgeleitet werden.

3,5-Liter-Turbodiesel

Der OM603.970 wurde im W126 350 SDL und 350 SD eingesetzt. Mercedes-Benz nennt für diese nordamerikanischen Varianten 100 kW (133 SAE-hp) bei 4.000 min⁻¹ und 310 Nm bei 2.000 min⁻¹.

Der spätere OM603.971 wurde in der dieselbetriebenen W140 S-Klasse verbaut, der OM603.972 in G-Klasse-Ausführungen. Markt- und produktionsabhängige Angaben dürfen nicht ungeprüft vom W126 übernommen werden.

Die in den USA angegebenen 133 hp und die bei manchen europäischen 3,5-Liter-Ausführungen genannten 136 PS beruhen auf unterschiedlichen Messnormen. Ohne weitere Unterlagen folgt daraus keine abweichende innere Motorkonstruktion.

In welchen Mercedes-Modellen wurde der OM603 verbaut?

Fahrzeug Baumuster Motor Einsatz / Markt
300 D 124.130 603.912 Europäischer W124; Vormopf-Ausführung von Dezember 1984 bis Dezember 1989 belegt
300 TD 124.190 603.912 Europäischer S124; Vormopf und Modellpflege-Ausführungen von September 1989 bis August 1993 belegt
300 D Turbo 124.133 603.960 Europäischer und nordamerikanischer W124; europäische Werksdaten von 1986–1989 verfügbar
300 TD Turbo 124.193 603.960 Europäischer und nordamerikanischer S124-Turbodiesel
300 SDL Turbo 126.125 603.961 Nordamerikanischer W126; Baujahre 1986–1987 in Abgas-Serviceunterlagen genannt
350 SDL Turbo 126.135 603.970 Nordamerikanischer W126; Einführung zum Modelljahr 1990
350 SD Turbo 126.134 603.970 Nordamerikanischer W126; frühes Modelljahr 1991
300 SD / S 350 Turbodiesel 140.134 603.971 Nordamerikanischer W140

Die Jahresangaben in dieser Tabelle beziehen sich auf belegte Modellversionen oder die Gültigkeit von Serviceunterlagen, nicht zwingend auf den vollständigen Motorproduktionszeitraum. Der Geltungsbereich einer Abgaskampagne belegt nicht alle Baujahre eines Motors.

Weitere OM603-Ausführungen gab es in bestimmten W124-4MATIC- und G-Klasse-Modellen, unter anderem mit den Suffixen 603.913, 603.931, 603.963 und 603.972. Genaue Baujahre und Bauteilspezifikationen müssen anhand der jeweiligen Fahrzeug- und Motordaten geprüft werden.

Auch unter ähnlichen Verkaufsbezeichnungen verbaute Mercedes-Benz andere Dieselmotoren. So hatte der W124 300 D 2.5 Turbo einen OM602 statt eines OM603; spätere E 300 Diesel verwendeten OM606-Motoren. Die Modellbezeichnung allein identifiziert den Motor nicht.

Bei einem Austauschmotor sollten Motornummer, Fahrzeugidentifikation und Nachweise über einen früheren Motorwechsel gemeinsam geprüft werden. Ein ersetzter Motor kann von der ursprünglichen Ersatzteilzuordnung des Fahrzeugs abweichen.

Motoraufbau: Was änderte sich von 3,0 auf 3,5 Liter?

Motorblock, Kurbelwelle und Pleuel

Der OM603 besitzt einen Grauguss-Reihensechszylinderblock und sieben Kurbelwellen-Hauptlager. Das Druckumlaufschmiersystem versorgt Kurbeltrieb, Ventiltrieb und weitere innere Bauteile.

Ab 1987 führte Mercedes-Benz bei ausgewählten OM602- und OM603-Ausführungen Zylinderblöcke ohne serienmäßige Laufbuchsen ein. Der OM603.970 wurde von Beginn an mit einem buchsenlosen Block gefertigt.

Der 3,5-Liter-Motor ist keineswegs nur ein aufgebohrter OM603.960. Für den größeren Hub mussten Kurbelwelle und Pleuelkonfiguration geändert werden; auch Bohrung, Kolbengeometrie und weitere Bauteile unterscheiden sich.

Laut Mercedes-Benz-Serviceeinführung von 1990 wurden die Pleuel des OM603.970 um etwa 4 mm verkürzt; ihr Mittenabstand beträgt 145 mm. Zusammen mit dem längeren Hub entsteht eine andere Kurbeltriebgeometrie als beim 3,0-Liter-Turbodiesel.

Mercedes-Benz verwendete für obere und untere Pleuellagerschalen unterschiedliche Werkstoffe entsprechend ihrer Belastung. Eine schmalere Fixiernut an der oberen Schale soll eine falsche Montage erschweren.

Bei der Motorinstandsetzung ist das entscheidend: Teile des 3,0-Liter-Turbodiesels sind nicht allein wegen der gemeinsamen Familie mit dem OM603.970 austauschbar. Lagerschalenposition, Kolbenversion und innere Spiele müssen zum konkreten Motor passen.

Kolben, Kolbenringe und Ölkühlung

Die Turbomotoren verwenden Ölspritzdüsen zur Kolbenkühlung. Beim OM603.970 änderte Mercedes-Benz deren Anordnung und Spritzrichtung gegenüber mehreren Vorgängermotoren.

Die Werksunterlagen untersagen ausdrücklich den Austausch der OM603.970-Ölspritzdüsen mit denen des OM603.960, OM602.911 oder OM602.961, weil die Ölausrichtung unterschiedlich ist.

Der ursprüngliche Kolben des OM603.970 weicht vom 3,0-Liter-Kolben ab. Mercedes-Benz beschreibt eine Aluminiumoxid-Beschichtung des Kolbenbodens, Graphitbehandlung ausgewählter Oberflächen und den Entfall des früheren ringförmigen Kühlkanals. Die Kolbenunterseite wird stattdessen direkt vom Ölstrahl gekühlt.

Auch Kolbenringe und Kolben-Klassifizierungskennzeichen unterscheiden sich. Beim Teilekauf oder der Zylinderinstandsetzung muss die verbaute Ausführung eindeutig identifiziert werden.

Eine spätere Änderung beschreibt das Mercedes-Benz-Werkstattdokument 03-317, Modifications to Pistons. Es nennt beim OM603.970/.971 bis März 1995 einen Kolben ohne ringförmigen Kühlkanal und ab September 1995 eine Ausführung mit teilweisem Ölkühlkanal und veränderten Ringen.

Kolben-Konstruktionsänderung

OM603.970/.971: Kolben mit teilweisem Ölkühlkanal

OEM-Unterlage
03-317
Frühere Ausführung
Kolben ohne ringförmigen Kühlkanal
Neue Ausführung
Teilweiser Kühlkanal und geänderte Kolbenringe
Belegter Zeitraum
Ältere Version bis 03/1995; neue Version ab 09/1995
Kolbenkennung
Code 18
Gewichtsunterschied
Neuer Kolben 5 g schwerer
Montagevorgabe
Neue Kolben nur als vollständigen Satz einbauen
Nachweis
OEM-dokumentiert

Für die dazwischenliegende Produktionsphase und eine allgemein gültige Motornummerngrenze liefert das Dokument keine vollständige Auflösung. Die genaue Teilezuordnung bleibt deshalb motor- und katalogabhängig.

Bei der Instandsetzung müssen die neuen Kolben satzweise montiert werden. Wegen ihres höheren Gewichts entspricht der Austausch nur eines älteren Kolbens gegen die spätere Variante nicht der Werksvorgabe.

Diese Serienänderung ist zudem von den speziellen optimierten Servicekolben aus Service Tip 03T95121 zu unterscheiden. Eine Identität oder exakt gleiche Zielsetzung beider Ausführungen ist nicht belegt.

Zylinderkopf, Ventiltrieb und Steuerzeiten

Im Aluminium-Zylinderkopf betätigt eine obenliegende Nockenwelle jeweils zwei Ventile pro Zylinder. Hydraulische Ventilspielausgleicher machen eine routinemäßige mechanische Einstellung überflüssig.

Eine zweireihige Rollenkette treibt die Nockenwelle an. Kettenschienen und Spanner gehören zum System; korrekte Steuerzeiten sind für Ventil- und Einspritzbetrieb unverzichtbar.

Mercedes-Benz änderte während der Produktion mehrere Details am Zylinderkopf, darunter Verstärkungen an Wassermantel, Abgaskanälen und Stößelführungen. Diese Änderungen sind bei frühen Turboköpfen und Ersatzgussstücken wichtig.

Einspritzung, Vorkammern und Kaltstart

Der OM603 ist ein Vorkammerdiesel: Die mechanische Einspritzanlage fördert Kraftstoff in kleine Brennkammern im Zylinderkopf. Es handelt sich nicht um ein modernes Common-Rail-Direkteinspritzsystem.

Für den OM603.970 nennt Mercedes-Benz eine überarbeitete Vorkammer mit 11,37 cm³ Inhalt und der Kennung 601/30. Wegen geänderter Vorkammergewinde ist für die Kompressionsmessung ein passender Adapter erforderlich.

Beim Vergleich von Kompressionswerten sowie bei der Auswahl von Vorkammern und Werkzeugen muss diese Ausführung berücksichtigt werden. Bauteile und Prüfwerkzeuge früherer OM603 lassen sich nicht ungeprüft übertragen.

Der OM603.970 erhielt zudem andere Glühkerzen. Die Serviceeinführung von 1990 nennt 23 statt zuvor 27 mm lange Heizelemente sowie eine überarbeitete Vor- und Nachglühregelung.

Je nach Kühlmitteltemperatur sind bis zu 30 Sekunden Vorglühen und 60 Sekunden Nachglühen vorgesehen. Die Glühkerzen bleiben damit nach dem Motorstart gegebenenfalls noch aktiv.

Mercedes-Benz beschreibt bestimmte Anzeigen der Vorglühkontrollleuchte als Hinweise auf Störungen von Glühkerzen oder Steuerung. Beim OM603.970 ersetzte eine kurzschlussgeschützte Anlage die frühere Schmelzsicherung. Nach Behebung eines Kurzschlusses ist ein Zurücksetzen über den Zündschalter nach Werksanweisung möglich.

Schlechtes Kaltstartverhalten am OM603.970 bedeutet folglich nicht automatisch Einspritzpumpen- oder Kompressionsschaden. Vorglühanlage, Kraftstoffversorgung und mechanischer Motorzustand müssen getrennt geprüft werden.

Turbolader und elektronische Dieselregelung

OM603-Turboversionen besitzen einen einzelnen Abgasturbolader mit Wastegate-Regelung. Für den W126 mit OM603.970 nennt die Serviceeinführung einen Garrett T3.

Für den OM603.960 ist eine mechanisch geregelte Bosch-Reiheneinspritzpumpe mit sechs Pumpenelementen dokumentiert. Bei bestimmten späteren Fahrzeugen steuert das elektronische Dieselsystem EDS Zusatzfunktionen wie Leerlaufregelung und Abgasrückführung.

EDS bedeutet weder Common Rail noch moderne elektronisch betätigte Dieselinjektoren. Mechanische Pumpenprobleme und elektronisch überwachte Zusatzfunktionen erfordern unterschiedliche Prüfungen.

Schmierung, Kurbelgehäuseentlüftung und Kühlung

Der OM603.970 besitzt eine Druckumlaufschmierung mit Zahnrad-Ölpumpe, Haupt- und Nebenstromfilter sowie Luft-Ölkühler. Die überarbeitete Ölwanne enthält Ölleitbleche unter der Kurbelwelle.

Mercedes-Benz änderte auch die Kurbelgehäuseentlüftung: Ein Ölabscheider und eine membrangeregelte Entlüftung mit stärkerer Feder berücksichtigen den Druckunterschied zwischen Kurbelgehäuse und Ansaugkrümmer.

Diese Konstruktion regelt den Umgang mit Kurbelgehäusegasen und Ölnebel. Daraus folgt jedoch weder ein belegter Seriendefekt der Membran noch, dass jeder erhöhte Ölverbrauch auf die Entlüftung zurückzuführen ist.

Die Flüssigkeitskühlung arbeitet mit mechanischer Wasserpumpe. Der OM603.970 erhielt unter anderem eine geänderte Wasserpumpen-Riemenscheibe. Zylinderkopfdichtung und Kühlmittelkanäle unterscheiden sich ebenfalls je nach Ausführung.

Weil Zylinderkopfrisse und Dichtungsschäden ähnliche Beschwerden verursachen können, kommt einer sauberen Kühlkreislaufdiagnose besondere Bedeutung zu.

Mercedes-Benz OM603

Wichtige Produktionsänderungen am OM603

Mercedes-Benz nahm im Verlauf der OM603-Produktion Änderungen an Geräuschverhalten, Abdichtung, Kühlung und Struktur vor. Eine geänderte Teilenummer belegt nicht automatisch, dass alle vorherigen Teile mangelhaft waren.

Konstruktionsänderung

Gussvarianten der Turbodiesel-Zylinderköpfe

Vorherige Gussnummer
603 016 15 01
Neue Gussnummer
603 016 17 01
Dokumentierte Änderung
Serienänderung im Juli 1989
Geltungsbereich
Bestimmte OM603-Turboversionen; Motornummerngrenzen beachten
Änderungen
Verstärkungen an Stößelführungen und Auslasskanälen
Nachweis
OEM-dokumentiert

Bei OM603.960 nennt die Änderungsdokumentation die Motornummerngrenze 022706 in der Spalte Automatikgetriebe. Sie gilt nicht automatisch für andere OM603-Varianten oder Antriebsstränge.

Frühere Werksunterlagen beschreiben zudem Verstärkungen des Wassermantels zum Schutz vor Rissbildung. Die verschiedenen Änderungen müssen anhand von Motorcode, Motornummer und Gussausführung zugeordnet werden.

In Besitzerforen werden Zylinderköpfe oft nach den letzten beiden Ziffern von 603 016 xx 01 bezeichnet, etwa 14, 17, 20 oder 22. Das hilft bei der Identifikation, belegt aber weder den Zustand des Kopfes noch seine vollständige Kompatibilität mit jeder Vorkammerausführung.

System Dokumentierte Änderung Praktische Bedeutung
Hydraulische Stößel Entlüftungseinrichtung ab September 1987 Soll Stößelgeräusche bei Kurzstreckenbetrieb verringern
Zylinderkopf Turbodiesel Verstärkungen an Wassermantel und Gussstruktur Wichtig für Rissbeständigkeit und Ersatzkopfidentifikation
OM603.96-Kolben Änderung der Kolbenmulde im August 1988 Zum Revisionsstand passende Kolben verwenden
OM603.970-Kopfdichtung Überarbeitete Dichtung und Brennraumöffnung Motorspezifische Dichtung; größere Öffnung für die vergrößerte Bohrung
OM603.970-Vorglühanlage Kürzere Glühelemente und geänderte Vor-/Nachglühregelung Wichtig für Kaltstartdiagnose und Ersatzteilwahl
OM603.97x-Kolben Revision von Kühlkanal und Ringen 1995 Spätere Kolben nur satzweise einbauen

OM603: Zuverlässigkeit und Schadensanalyse

Die in Mercedes-Benz-Serviceunterlagen behandelten Probleme betreffen nicht alle OM603 gleichermaßen. Zu unterscheiden sind bestätigte technische Befunde, Bauteiländerungen und Berichte aus Besitzer- oder Instandsetzerkreisen.

Dokumentierte Probleme

Zylinderkopf und Abdichtung

  • Überarbeitungen des Wassermantels sollen Turbodiesel-Zylinderköpfe gegen Risse schützen.
  • Überarbeitete Abdichtung am Ölrücklauf der Kopfdichtung.

Steuerkette und Ölverbrauch

  • Service Information 05/93 behandelt Kettenlängung bei bestimmten W140 mit OM603.
  • Optimierte Kolben/Ringe als Serviceabhilfe bei Ölverbrauch bestimmter OM603.971.

Abgasreinigung

  • Trap-Oxidizer-Austauschkampagne bei frühen nordamerikanischen Turbodieseln inklusive Turboladerkontrolle.

Zylinderkopfrisse an frühen OM603-Turbodieseln

Zylinderkopfrisse gehören zu den häufig diskutierten Themen früher OM603-Turbodiesel. Als Werksbelege liegen vor allem Verstärkungen des Wassermantels sowie der Bereiche um Abgaskanäle und Stößelführungen vor.

Das Werkstatthandbuch nennt Maßnahmen zum Schutz des Zylinderkopf-Wassermantels vor Rissen. Daraus lässt sich eine technische Problematik ableiten, nicht jedoch eine statistische Ausfallquote je Gussvariante.

Von Besitzern gemeldete Symptome sind unerklärlicher Kühlmittelverlust, anhaltender Systemdruck, Überhitzung und bei ausgebautem Kopf sichtbare Risse.

Auch äußere Lecks oder eine defekte Kopfdichtung können Kühlmittelverlust verursachen. Verbleibender Druck nach dem Abstellen beweist allein keinen Zylinderkopfriss. Äußere Undichtigkeiten, Kopfdichtung und Gussbeschädigung sind getrennt zu untersuchen.

Bleibt die Ursache unklar, können eine Druckprüfung des Kühlsystems und die Untersuchung des ausgebauten Zylinderkopfs erforderlich sein.

Reparaturhinweis: Ein Ersatzkopf muss zum Turbomotor, zu den Vorkammern und zur übrigen Hardware passen. Eine spätere Gussnummer schließt weitere Überhitzungs- oder Blockschäden nicht automatisch aus.

Erhöhter Ölverbrauch bei OM603.970 und OM603.971

Bei den 3,5-Liter-OM603 ist der Ölverbrauch wegen abweichender Kolben-, Ring- und Zylinderkonstruktion gesondert zu bewerten.

Mercedes-Benz veröffentlichte Service Tip 03T95121 im Dezember 1995 (überarbeitet im Februar 1996). Er regelt die begrenzte Verfügbarkeit optimierter Kolben mit Ringen zur Behebung bestimmter Ölverbrauchsbeschwerden.

OEM-Servicemaßnahme

Optimierte Kolben für OM603.971

Dokument
03T95121
Motor
OM603.971
Fahrzeug
140.134
Motornummernbereich
603.971-12-000001 bis 603.971-12-018446
Servicemaßnahme
Optimierte Kolben und Ringe bei Ölverbrauchsbeschwerden
Nachweis
OEM-dokumentiert

Vor Bestellung oder Einbau verlangt die Serviceanweisung eine Prüfung weiterer Motorsysteme sowie der Zylinder auf ungewöhnlichen Verschleiß; auch das vorhandene Honbild ist zu beurteilen.

Ein neuer Kolben-Ring-Satz kann die Geometrie eines verschlissenen oder verzogenen Zylinders nicht wiederherstellen. Aus erhöhtem Ölverbrauch allein folgt auch kein Nachweis fehlerhafter Originalkolben.

Bei der Diagnose sind äußere Ölverluste von tatsächlichem Ölverbrennen zu unterscheiden. Ringe, Kolben, Zylinder und andere Ölpfade kommen je nach Befund infrage; die Reparatur muss sich danach richten.

Service Information 05/93 nennt bei bestimmten W140 auch erhöhten Ölverbrauch unter den Beschwerden bei Steuerkettenlängung. Die Servicehinweise 05/93 und 03T95121 können daher ähnliche Symptome betreffen, schreiben aber unterschiedliche Prüfungen und Reparaturen vor.

Verbogene Pleuel und Zylinderschäden beim 3,5-Liter-Motor

Feldbericht Zu 3,5-Liter-Motoren OM603.97x liegen Berichte über verbogene Pleuel, deformierte Zylinder, Ölverbrauch, blauen Abgasrauch und unruhigen Lauf vor.

Einige Zerlegungen zeigen tatsächlich verbogene Pleuel oder unrunde Zylinder; andere dokumentieren starken Zylinderverschleiß ohne bestätigte Pleuelverbiegung. Daraus ergibt sich keine einheitliche Schadensursache.

Als mögliche Erklärung diskutieren Fachforen unter anderem einen Flüssigkeitsschlag durch in den Zylinder gelangte Flüssigkeit. Weitere Hypothesen betreffen Bauteilbelastung und die geänderte Kurbeltriebgeometrie des 3,5-Liters.

Mehr Hub und kürzere Pleuel sind gesicherte Konstruktionsunterschiede. Sie beweisen nicht, dass diese Änderungen die berichteten Pleuelschäden ausgelöst haben.

Blauer Rauch oder hoher Ölverbrauch allein sind deshalb keine Diagnose eines verbogenen Pleuels. Sie zeigen einen Fehler an, aber nicht zwangsläufig dessen genaue mechanische Ursache.

Eine Besitzeruntersuchung beschreibt ausgeprägte Zylinderschäden ohne eindeutig verbogene Pleuel. Ölverbrauch, Zylinderverschleiß und Pleuelverformung müssen bis zum mechanischen Nachweis getrennt betrachtet werden.

Reparaturhinweis: Bei Verdacht auf Innenschäden sind Zylindergeometrie, Kolbenzustand und Pleuelausrichtung zu vermessen. Der nötige Umfang richtet sich nach den Befunden; Kolben und Ringe allein korrigieren keine verzogenen Zylinder oder Pleuel.

Evidence limitation: Individual teardown accounts establish the existence of damage in reported engines, not its statistical frequency. Neither a universal failure mileage nor a manufacturer-confirmed single root cause for OM603.97x connecting-rod deformation is established.

Steuerkettenlängung bei W140 mit OM603

Die im November 1995 überarbeitete Mercedes-Benz Service Information 05/93 betrifft Beschwerden durch gelängte Steuerketten. Der OM603-Abschnitt gilt für bestimmte W140 mit Produktion von Juli 1992 bis April 1994 und Fahrgestell-Endnummern A 092142 bis A 202313.

Mercedes-Benz nennt unter anderem ungewöhnliche Kettengeräusche, unruhigen Lauf, Startschwierigkeiten, Leistungsverlust und erhöhten Ölverbrauch.

Zur Prüfung werden Nockenwellen-Markierung und Kurbelwellenstellung nach Werkstattvorschrift verglichen. Aus der abgelesenen Kurbelwellenposition ergibt sich die Steuerzeitenabweichung.

Abweichung der Kurbelwellenmarkierung Mercedes-Benz-Werksvorgabe
3–10 Grad Gelängte Kette ersetzen und Kettenräder auf Verschleiß und Schäden prüfen.
Über 10 Grad Kolbenböden endoskopisch auf Ventilkontakt prüfen, bevor weiter repariert wird.

Sind Zähne an Steuer- oder Einspritzpumpenrad beschädigt, verlangt die Anweisung deren Austausch zusammen mit der Kette. Bei mehr als 10° Abweichung und nachgewiesenem Ventil-Kolben-Kontakt müssen die Folgeschäden zusätzlich instand gesetzt werden.

Für den betreffenden OM602/OM603-Serviceumfang nennt der Hinweis die Steuerkette 003 997 48 94. Für andere OM603-Einbauten muss die Teilezuordnung separat geprüft werden.

Sichtbare Kettenlaufspuren oder Riefen an der Gleitschiene rechtfertigen laut Mercedes-Benz allein noch keinen Ketten- oder Schienenwechsel.

Ein Geräusch im vorderen Motorbereich ist nicht gleichbedeutend mit einer nachgewiesenen Kettenlängung. Entscheidend ist die Prüfung der mechanischen Steuerzeiten.

Ölundichtigkeit an der Zylinderkopfdichtung

Mercedes-Benz-Bulletin 01-85101 (Revision Januar 1988) behandelt äußere Ölverluste hinten rechts zwischen Zylinderkopf und Zylinderkopfdichtung, unter anderem am OM603.

Für den OM603 ist eine geänderte Viton-Abdichtung am Ölrücklauf vorgesehen. Die Fertigungsumstellung begann laut Dokument im April 1987.

Diese äußere Undichtigkeit ist vom Ölverbrauch über Kolbenringe zu unterscheiden. Ein Motor kann Öl verlieren, ohne größere Mengen zu verbrennen.

Vor aufwendiger Innendiagnose ist daher zu klären, ob der Ölstand durch ein sichtbares Leck sinkt.

Mechanische Schäden der Unterdruckpumpe

Feldbericht Detaillierte Zerlegungsberichte beschreiben Defekte der OM603-Unterdruckpumpe, Schäden am Pumpenantrieb und freigesetzte Lager- oder Metallteile.

Genannt werden mechanische Geräusche, nachlassende Unterdruckunterstützung und der Ausfall vakuumbetätigter Funktionen wie der Motorabschaltung.

Ein einzelner Bericht schildert nach einem Pumpendefekt Metallfragmente und folgende Schäden an der Schmierung. Das dokumentiert den Ablauf dieses Falls, nicht den Verlauf jedes Pumpenausfalls.

Nach einem mechanischen Pumpenschaden darf die Reparatur nicht zwangsläufig beim Pumpentausch enden. Trümmer und Schäden in angrenzenden Bereichen müssen berücksichtigt werden; bei Verunreinigung der Schmierung sind Druckverlust und Folgeschäden eigenständig zu prüfen.

Mercedes-Benz änderte Pumpenkomponenten während der Entwicklung. Die Existenz solcher Revisionen erlaubt keine Aussage zur Ausfallhäufigkeit.

Trap Oxidizer und Turboladerschäden

Frühe nordamerikanische OM603-Turbodiesel besaßen einen Diesel-„Trap Oxidizer“. Mercedes-Benz ließ betroffene Anlagen mit der Service Campaign 96-1121 später gegen einen Oxidationskatalysator ersetzen.

Die Kampagne betraf bestimmte Fahrzeuge der Modelljahre 1986–1987, darunter:

  • 1986 300 SDL Turbo, 126.125, in der genannten Kalifornien-Ausführung.
  • 1987 300 D Turbo und 300 TD Turbo, 124.133 und 124.193.
  • 1987 300 SDL Turbo, 126.125.

Die zugehörige Arbeitsanweisung 359A schreibt die Turboladerprüfung vor. War der Lader durch den Trap Oxidizer beschädigt, sah Mercedes-Benz im Rahmen der damaligen Garantiebedingungen einen Ersatz vor.

Damit ist ein konkreter vorgelagerter Schadensauslöser belegt: Das Abgasbauteil konnte den Turbolader beschädigen. Wird nur der Lader ersetzt und der betroffene Trap Oxidizer belassen, bleibt die vom Hersteller benannte Ursache bestehen.

Der damalige Trap Oxidizer ist nicht mit einem modernen Dieselpartikelfilter späterer Common-Rail-Systeme gleichzusetzen. Die Kampagne gilt nicht für sämtliche OM603-Turbolader.

OM603-Diagnose: Symptom und Ursache unterscheiden

Mehrere OM603-Symptome lassen sich unterschiedlichen Systemen zuordnen. Das ist besonders wichtig, wenn die möglichen Reparaturen vom äußeren Bauteil bis zum Austausch eines ganzen Motors reichen.

Symptom Abzugrenzende Systeme Sinnvolle Prüfung
Unerklärlicher Kühlmittelverlust Äußere Kühlmittellecks, Kopfdichtung, Zylinderkopf Kühlsystem prüfen und abdrücken; bei Bedarf Kopf untersuchen
Blauer Abgasrauch Innerer Ölverbrauch, Turbolader-Ölverlust und andere Ölpfade Ölverlusthistorie, äußere Lecks, Zylinderzustand und Turbolader prüfen
Unruhiger Leerlauf Kraftstoffzufuhr, Kompression, EDS-Regelung Mechanischen Motorzustand und passende EDS-Prüfung berücksichtigen
Schlechter Kaltstart Vorglühanlage, Kraftstoffzufuhr, Kompression Glühkerzen-Stromaufnahme, Vorglühsteuerung und ggf. mechanische Prüfungen
Geräusch am Steuergehäuse Steuertrieb, Unterdruckpumpe, benachbarte Antriebe Geräusch lokalisieren und gegebenenfalls Steuerzeiten prüfen
Niedrige Öldruckanzeige Tatsächliches Schmierproblem oder Anzeigefehler Öldruck unabhängig messen, bevor Bauteile ersetzt werden
Hoher Ölverbrauch bei OM603.97x Ringe, Zylinder, Kolben, äußere Lecks und andere Ölpfade Zustand messen und prüfen, bevor Kolbenreparatur gewählt wird

Bei Rauch und unruhigem Motorlauf ist der zeitliche Verlauf hilfreich: Langsam steigender Ölverbrauch unterscheidet sich von plötzlich auftretendem Rauch mit mechanischem Geräusch.

Bleibt starker Rauch nach einem Turboladertausch bestehen, muss die ursprüngliche Diagnose überprüft werden. Daraus ergibt sich noch keine sichere alternative Ursache.

OM603.970: EDS-Diagnosecodes

Der OM603.970 verfügt über ein herstellerspezifisches elektronisches Dieseldiagnosesystem. Das Werkstatthandbuch beschreibt Impuls-Auslesecodes, keine modernen generischen OBD-II-P-Codes.

Die folgende Tabelle gilt nur für die EDS-Ausführung des OM603.970 gemäß Serviceeinführung 1990. Sie darf nicht pauschal auf OM603.912 oder .960 mit anderer Ausstattung übertragen werden.

Impulscode OEM-Bedeutung / Diagnosebereich
1 Kein Fehler der überwachten Elektronik erkannt
2 Regelstangen-Positionsgeber L7 an der Einspritzpumpe
3 Luftmengenmesser B2/1
4 Atmosphärendrucksensor im Zusammenhang mit N39
5 AGR-Unterdruckwandler Y31/1 oder Leitungsfehler
6 Interne Spannungsversorgung des EDS-Steuergeräts N39
7 Drehzahlgeber L3
8 Kühlmitteltemperaturgeber B11/4
9 Ansauglufttemperaturgeber B2/1a
10 Fehler der Spannungsversorgung
11 Leerlaufsteller oder AGR-Wandlerleitung, abhängig von Prüfbedingungen
12 Nicht belegt
13 EDS-Steuergerät N39

Einzelne Impulscodes erfordern besondere Prüfbedingungen. Bei Code 5 ist eine festgelegte Drehzahlbedingung relevant, während Code 11 nur unter eingeschränkten Fehlerbedingungen ausgegeben wird.

Ein EDS-Code benennt einen Diagnosebereich und beweist nicht automatisch den Defekt des genannten Bauteils. Leitungen, Steuerung, Betriebsbedingungen und mechanische Fehler sind gemäß Prüfablauf zu unterscheiden.

OM603-Wartung: Öl, Kühlmittel und Intervalle

Wartungspläne unterscheiden sich nach Fahrzeug, Modelljahr und Markt. Das nordamerikanische Mercedes-Benz-Wartungshandbuch 1981–1993 nennt für entsprechende Fahrzeuge folgende Ölwechselintervalle.

Fahrzeuggruppe Wartungsintervall
Dieselmodelle außer W140 140.134 5.000 Meilen / ca. 8.000 km
W140 140.134 7.500 Meilen / ca. 12.000 km

Dies sind die Angaben des genannten US-Wartungsplans, keine weltweit gültigen OM603-Intervalle.

Bei schweren Betriebsbedingungen gelten zusätzliche Anforderungen. Einige frühe Modelle verlangen verkürzte Öl- und Filterintervalle, spätere Pläne einen zusätzlichen Ölwechsel dazwischen. Ausschlaggebend bleibt das fahrzeugspezifische Wartungsheft.

Motoröl-Füllmenge

Zwei Mercedes-Benz-Werksdokumente nennen für W126 mit OM603.970 unterschiedliche Ölwechselmengen:

Mercedes-Benz-Dokument Öl mit Filter
1990 Introduction into Service, 126.134/135 Etwa 8,0 Liter
1993 Maintenance Manual, OM603.97 im W126 7,5 Liter
1993 Maintenance Manual, OM603.96 im W124/W126 7,5 Liter

Die Werte 8,0 und 7,5 Liter stehen tatsächlich in unterschiedlichen Werksunterlagen. Sie bilden keinen offiziell definierten Bereich; die Ursache des Unterschieds ist nicht abschließend geklärt.

Vor dem Ölwechsel sind die richtige Unterlage, Ölwanne und Peilstabversion zu prüfen. Das Handbuch von 1990 nennt für OM603.970 die Peilstab-Markierung 603/6 und warnt vor dem Vertauschen mit dem OM603.960-Peilstab.

Weitere Wartungsangaben

Wartungsposition Belegte Angabe
Kühlsystem-Füllmenge Etwa 10,0 Liter einschließlich Heizung beim W126 126.134/135 OM603.970
Kühlmittelwechsel US-Wartungsdokumentation 1981–1993: spätestens alle drei Jahre
Ölfilterung Kombinierter Haupt- und Nebenstromfilter in der genannten OM603.970-Version
Ölstand Vorgeschriebenes Peilstabverfahren und richtige Teileversion beachten
Ventilspiel Hydraulischer Ausgleich; kein allgemeines Einstellintervall
Steuerkettenwechsel Kein allgemeines Laufleistungsintervall belegt
Kraftstoff- und Luftfilter Fahrzeugspezifischen Wartungsplan anwenden
Glühkerzen Motorspezifische Teile verwenden; kein allgemeines vorbeugendes Wechselintervall belegt

Freigaben für Motoröl, Viskositäten und Kühlmittel müssen anhand der zum Fahrzeug passenden Mercedes-Benz-Betriebsstoffvorschriften ermittelt werden. Eine einzige moderne Ölsorte lässt sich nicht allein anhand von „OM603“ verbindlich festlegen.

OM603-Instandsetzung: Laufbuchsen und Innenteile

Mercedes-Benz Service Information 01/32

Bei der OM603-Instandsetzung ist der Unterschied zwischen frühen Werksbeschränkungen und später erlaubten Reparaturverfahren wichtig.

Frühere Mercedes-Benz-Literatur untersagte das Einsetzen von Laufbuchsen in ursprünglich buchsenlose Blöcke wie OM603.970. Service Information 01/32 vom August 1994 führte dagegen für 602.96 und 603.96/97 ein zulässiges Reparaturverfahren mit Zylinderlaufbuchsen ein.

Geändertes Instandsetzungsverfahren

Einbau von Zylinderlaufbuchsen

Dokument
01/32
Datum
August 1994
Betroffene Motoren
602.96 und 603.96/97
Ursprüngliche 89-mm-Bohrung
Block auf 91,5 mm für Reparaturbuchse bearbeiten
Abschlussbearbeitung
Eingebaute Buchse auf Standardmaß fertigen und Standardkolben verwenden
Nachweis
OEM-dokumentiert

Für die 87-mm-Ausführung nennt die Anweisung vor dem Einsetzen der Buchse eine Blockbohrung von 90 mm.

Der Satz „OM603.970 kann nicht gebuchst werden“ ist damit historisch unvollständig: Der Serienblock war buchsenlos, eine spätere Werksanweisung erlaubte die Instandsetzung mit Buchsen.

Anschließend wird die Buchse auf das vorgeschriebene Standardmaß bearbeitet. Die Anweisung gibt keine beliebigen Übermaßvarianten frei und verlangt genau definierte Bearbeitungsschritte.

Auch bei dieser Möglichkeit muss der Zustand des Blocks untersucht werden. Nicht jeder stark beschädigte Block lässt sich technisch oder wirtschaftlich sinnvoll retten.

Prüfung eines 3,5-Liter-Kurbeltriebs

Bei OM603.970 oder .971 mit hohem Ölverbrauch oder Innenschaden darf ein reiner Kolbentausch nicht ohne Befund als erste Lösung gelten.

Aufgrund der berichteten Schäden sind Zylinderform und Pleuelzustand besonders wichtig. Riefen, Verzug und sonstige Schäden müssen vermessen und entsprechend repariert werden.

Mercedes-Benz unterscheidet Kolben- und Ringrevisionen sowie unterschiedliche Lagerschalen und Kolbenöldüsen. Die späteren Kolben mit teilweisem Kühlkanal nach 03-317 müssen zudem vollständig satzweise ersetzt werden.

Beim Ersatz des Zylinderkopfs müssen Gusskennung, Vorkammer, Dichtung und weitere Bauteile zur genauen Motorvariante passen. Eine höhere Gussnummer ist kein ausreichender Kompatibilitätsnachweis.

OM603-Servicehinweise und Abgaskampagnen

Dokument Problem Betroffene Ausführung Servicemaßnahme
01-85101 Äußerer Ölverlust an der Kopfdichtung Einschließlich OM603; Dichtungsänderung ab April 1987 Neue Viton-Abdichtung
01/32 Instandsetzung des Motorblocks 602.96 und 603.96/97 Freigegebenes Verfahren mit Reparaturbuchse
05/93 Steuerkettenlängung Bestimmte W140 mit OM603, gebaut 07/1992–04/1994 Steuerzeiten prüfen, Kette wechseln und Folgeschäden abklären
03T95121 Ölverbrauch Festgelegter Motornummernbereich bei OM603.971 Optimierte Kolben/Ringe nach vorgeschriebener Prüfung
96-1121 Austausch des Trap Oxidizer Bestimmte nordamerikanische Diesel von 1986–1987 Oxidationskatalysator einbauen und Turbo prüfen

96-1121 ist eine Mercedes-Benz-Servicekampagne und kein Sicherheitsrückruf. Ebenso beschreibt ein technischer Servicehinweis eine Bedingung und Abhilfe, ohne die Häufigkeit des Fehlers zu bestimmen.

Die Kampagnendokumentation nennt eine frühere Garantieverlängerung für den ursprünglichen Trap Oxidizer bestimmter Fahrzeuge von 1986–1987. Für den späteren Oxidationskatalysator galten andere Bedingungen, darunter historisch zwölf Monate ohne Kilometerbegrenzung.

Diese Programme betrafen konkrete Abgasbauteile und damalige Teilnahmebedingungen, nicht den gesamten OM603 oder einen heute automatisch bestehenden Garantieanspruch.

In den geprüften Unterlagen wurde kein OM603-spezifischer NHTSA-Sicherheitsrückruf wegen Pleuelverformung oder Kettenlängung bestätigt. Andere Fahrzeugrückrufe sind damit nicht ausgeschlossen; deren Status ist anhand von VIN und Markt zu prüfen.

Kaufberatung: OM603 vor dem Kauf prüfen

Beim Gebrauchtwagen sind die vollständige OM603-Variante und die Reparaturhistorie aussagekräftiger als pauschale Bewertungen der Motorfamilie.

  • Motorcode prüfen. Vollständige 603.xxx-Kennung und Erstausstattung abgleichen. Originalmotor oder Austauschmotor?
  • Zylinderkopf identifizieren. Gerade bei frühen Turbos Gussnummer, Kopftausch und Überhitzungshistorie prüfen.
  • Kühlmittelverlust klären. Füllstand, äußere Lecks, Druckprüfungen und Kopfdichtungs-/Kopfreparaturen nachvollziehen.
  • Ölverbrauch dokumentieren. Beim OM603.970/.971 Messergebnisse und Arbeiten an Kolben, Ringen, Zylindern oder Pleueln erfragen.
  • Kaltstartprobleme untersuchen. Vorglühanlage prüfen, bevor Kompression oder Einspritzpumpe verantwortlich gemacht werden.
  • Ungewöhnliche Geräusche ernst nehmen. Steuertrieb und Unterdruckpumpe getrennt prüfen.
  • Steuerkettenarbeiten prüfen. Beim betroffenen W140 den Geltungsbereich von 05/93 und ausgeführte Prüfungen klären.
  • Abgaskampagnen prüfen. Bei frühen US-Turbodieseln Trap-Oxidizer-Austausch und Turboladerarbeiten belegen lassen.
  • Wartungshistorie lesen. Öl- und Kühlmittelwartung sowie Zylinderkopf-/Kurbeltrieb-Reparaturen dokumentieren.
  • Motorrevision nachvollziehen. Eingebaute Kolben, Laufbuchsen und die Kompatibilität späterer Teile prüfen.

Bei einem 3,5-Liter-Fahrzeug mit blauem Rauch, unruhigem Lauf oder hohem Ölverbrauch ist die Aussage „nur der Turbo“ oder „nur die Ventilschaftdichtungen“ erst zu überprüfen. Ebenso beweisen diese Symptome kein verbogenes Pleuel.

OM603: Zuverlässigkeit in der Praxis

Der OM603 besitzt einen klassischen mechanischen Dieselmotoraufbau mit Reihensechszylinder, Vorkammereinspritzung, kettengetriebener einzelner Nockenwelle und Graugussblock. Seine Entwicklung macht die genaue Motoridentifikation aber besonders wichtig.

Bei frühen 3,0-Liter-Turbomotoren stehen Zylinderkopfbauart und Kühlkreislauf im Mittelpunkt. Werksänderungen an Kopf und Dichtung sowie Besitzerberichte liefern wichtige Hinweise für die Prüfung.

Bei OM603.970/.971 sind Kolben, Zylinder, Ölverbrauch und mögliche Pleuelschäden sorgfältig zu beurteilen. Der Servicehinweis zu optimierten Kolben belegt eine entsprechende Reparaturmaßnahme für bestimmte OM603.971, während Feldberichte keine einheitliche Pleuel-Schadensursache bestätigen.

Steuerkettenlängung ist für konkret eingegrenzte W140 werksseitig dokumentiert. Frühe nordamerikanische Turbodiesel haben außerdem eine eigene Trap-Oxidizer-Kampagnengeschichte. Diese Besonderheiten dürfen nicht auf alle OM603 übertragen werden.

Eine belastbare Ausfallquote oder allgemein gültige Motorlebensdauer ist aus den Daten nicht ableitbar. Maßgeblich sind Motorcode, Revisionsstand, vorhandene Schäden, Wartung und Qualität früherer Reparaturen. Entscheidungen sollten auf überprüfbaren Symptomen und Messwerten statt auf pauschalem Ruf beruhen.

Quellen und technische Unterlagen

Praxisberichte aus Besitzer- und Werkstattforen

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